Die Insel

Ameland ist die zweitnördlichste der fünf westfriesischen Inseln in den Niederlanden. Zu erreichen ist Ameland über die Autobahn in Richtung Leeuwarden. Von dort geht es über Stiens nach Holwerd. Ab Holwerd finden sie Verkehrsschilder mit dem Hinweis auf Ameland.

Von Ostfriesland kommend bietet sich die Strecke aus Richtung Groningen kommend bis Dokkum an. Ab Dokkum sind es noch etwa 10 km bis Holwerd. Außerhalb von Holdwerd hinter dem Deich ist der Fährhafen. Von dort verbindet die Fähre Ameland mit dem Festland und umgekehrt.

Was macht man so, wenn man sich für einen Inselurlaub auf Ameland entschieden hat?

Ein Wochenende dort verbringen. Die Familien kommen mit ihren Kindern, um ihnen viel Sonne, Sand, Meer, Dünen und Freiheit zu bieten und sich selbst ein wenig Entspannung zu gönnen. Es kommen Angler, um dem Seeangeln zu frönen, man sieht Windsurfer über die See flitzen, jede Menge bunte Drachen aller Art am Himmel schweben, ältere Menschen laufen barfüßig am Strand entlang und genießen die Wohltat des Wassers, wieder andere laufen gebückt am Wasser entlang, um wenigstens in diesem Jahr mal ein vollständiges Hörnchen oder eine andere ausgefallene, besonders schöne Muschel zu finden. Jugendgruppen haben die Möglichkeit, sich auf dem Strand auszutoben und dabei auch manchmal für die nötige Unruhe zu sorgen, weil ein Ball zum soundsovielten Mal auf einem frisch eingecremten Body landet, oder ein Teeny gerade mal sein Badetuch völlig unbekümmert ausschüttelt. Hunde turnen auch in nicht unbeträchtlicher Zahl über den Strand. Man könnte es fortsetzen. Aber schon jetzt wird einem klar, dass jede und jeder auf seine Weise hier etwas findet, und dadurch schon anfängt sich wohl zu fühlen.

Das Wohlfühlen fängt bereits damit an, dass man mit der Fähre übersetzen muss. So schafft man schon schnell einen Abstand zum Festland und zum eigenen Arbeitsalltag. Es gibt zwei Fähren: „Sier“ und „Oerd“. Die Sier ist das größere Fährschiff und ist hauptsächlich in Betrieb. 1000 Passagiere, 75 Autos, diverse Räder und ein Transporter, der die Koffer derjenigen transportiert, die ohne Auto auf die Insel reisen. Sogar Reisebusse können zur Insel transportiert werden. Jeder, der mit einem motorisierten Fahrzeug auf die Insel möchte, tut gut daran, frühzeitig zu reservieren bei Wagenborg Passagierdiensten B.V.. In der Hauptsaison sind dann beide Fähren voll im Einsatz, so dass freitags und samstags zwischen 7.30 und 21.30 Uhr jede Stunde eine Überfahrt nach Ameland möglich ist. Sonntags und an den übrigen Wochentagen werden die Überfahrten im Zweistundenrhythmus angeboten und zusätzliche Abfahrten über die Nachfrage geregelt. Trotzdem sind die Fährschiffe fast immer ausgebucht. Manchmal hat man das Glück und schafft es, eine Fähre je nach Wunsch etwas früher oder später zu bekommen. Allerdings nur, wenn man vorher schon fest gebucht hat.

Ist man erst einmal auf der Insel angekommen, findet man recht schnell sein Quartier und der echte Urlaub kann beginnen.

In jedem der vier Orte Nes, Buren, Ballum und Hollum gibt es Supermärkte, in denen man alles, was man für den täglichen Bedarf benötigt, besorgen kann.

Hollum und Nes sind die etwas größeren Orte, die natürlich auch etwas mehr bieten an Geschäften und Unterhaltung. Dafür gibt es in Ballum ein Freibad, und in Buren auf Camping Kleinvaarwater ein relativ großes Hallenbad. Buren ist der Ort, in dem es die meisten Bauernhöfe gibt, die in den Sommer- und auch Herbstferien Ziel vieler Kinder- und Jugendgruppen sind. Ballum hat einen Flugplatz. Von dort aus kann man Rundflüge buchen und auch nach Vlieland und Texel fliegen. Außerdem werden dort auf dem Flugplatzgelände Fallschirmspringerkurse angeboten. Oft genug allerdings landen die Fallschirmspringer aber auch in der Wiese bei Pferden und Kühen. Interessant ist auch, dass bei diesen Kursen Tandemsprünge angeboten werden.

Natürlich hat der Flugplatz auch noch eine andere wichtige Daseinsberechtigung. Auf Ameland gibt es kein Krankenhaus. Wenn nun z.B. ein akuter Blinddarm festgestellt wird, oder eine Geburt sich verkompliziert, ist der oder die betreffende Patientin innerhalb von ganz kurzer Zeit im Krankenhaus in Dokkum und wenn es notwendig ist, nur kurze Zeit später in der Universitätsklinik in Groningen.

Auf der Insel sind zwei sehr kompetente Allgemeinmediziner in Nes und Ballum. Außerdem gibt es einen Zahnarzt in Ballum. Die beiden Ärzte und der Zahnarzt sprechen sehr gut Deutsch. Natürlich hofft man, sie nicht konsultieren zu müssen.

Kommen wir nun zu den vielen Möglichkeiten, die Ameland seinen Gästen zu bieten hat.

In jedem Ort gibt es Bungalowparks mit Häusern für vier bis sechs/sieben Personen. Zum Beispiel Boomhiemke in Hollum hat seit vielen Jahren sehr große Dünenvillen im Angebot. Hier können bis zu acht Personen eine Villa bewohnen. Aber auch die Dünenbungalows und die Finnischen Chalets sind sehr gemütlich eingerichtet und haben alles an Einrichtung, um sich wohlzufühlen. In einzelnen dafür festgelegten Häusern auf Boomhiemke kann man sogar nach vorheriger Absprache und Genehmigung Haustiere mitbringen. Die Endreinigung dieser Häuser ist dann allerdings etwas teurer.

Interessant ist Boomhiemke auch schon deshalb, weil hier im Sommer ein so genanntes „Recreatieteam“ in „De Duvelshoek“ arbeitet. Dieses Team bietet Kindern und Jugendlichen Spielnachmittage und geführte Fahrradtouren, Schnitzeljagden, Nachtwanderungen und vieles mehr an. Des weiteren hat Boomhiemke seit Sommer 2000 ein Hallenbad für seine Gäste. Es gibt daneben noch eine Kegelbahn und die Möglichkeit Billard zu spielen. Außerdem finden für Jugendliche in regelmäßigen Abständen Discos statt. Eine Minigolfanlage auf dem Außengelände lädt ebenfalls zum Spielen ein.

Hier ein kleiner Abstecher nach Koudenburg/Hollum. Dort befindet sich ein sehr gutes Golfgelände.

Eine ähnliche Struktur wie auf Boomhiemke findet sich auf dem Campinggelände Kleinvaarwater in Buren.

Bungalowparks gibt es in jedem Ort auf der Insel, außerdem Hotels und Pensionen, viele Häuser mit Übernachtung und Frühstück, Freie Wohnungen und Appartements.

Abgesehen von den Bauernhöfen in Buren, die als Gruppenunterkünfte dienen, gibt es noch „De Hollumer Trap“. Hier kann man auch Tagungen organisieren. Außerdem gibt es in Hollum noch eine Jugendherberge, die nach einem Brand vor einigen Jahren wieder vollständig aufgebaut worden ist und Einzelpersonen und Familien gleichermaßen Unterkunft bietet.

Die Natur Amelands bietet eine unglaubliche Fülle an Vegetation. Ein mittlerweile gut ausgebautes Radwegenetz führt zu den schönsten Plätzen dieser Insel. Beliebt ist die Tour zum „Oerd“. Das ist ein Gebiet im Osten der Insel. Dort befindet sich der höchste Punkt Amelands. Wenn er 25 Meter hoch ist, so ist es viel. Ist man erst einmal oben, kann man die Nachbarinsel Schiermonnikoog sehen.

Wenn man von Hollum zum Oerd fährt, hat man von Hollum aus satte 25 km vor sich. Und wenn man auf dem Weg ins Oerd einmal ganz aufmerksam um sich schaut, wird man merken, wie unterschiedlich die Vegetation von West nach Ost ist. Diese Tour sollte man in jedem Fall machen. Man begegnet den Kaninchen, man hört die Möwen schreien und viele andere Vogelstimmen. Außerdem hat man immer eine frische Brise im Gesicht. Diese Landschaft strahlt eine unglaubliche Ruhe aus.

Ganz interessant sind auch die angebotenen Wattwanderungen. Man hat kaum eine Vorstellung davon, was im Watt alles lebt. Diese Wanderungen sollte man niemals alleine unternehmen, weil man als Tourist die Gezeiten vielleicht doch nicht so gut einschätzen kann. Warum soll man sich auch wirklich sachkundige Erklärungen durch einen Experten dieser Region entgehen lassen?

Muschelexpeditionen sind auch ein beliebtes Angebot. In den Dünen werden geführte Wanderungen angeboten.

Auf dem Wasser gibt es auch noch einiges zu erleben. Eine Tour zur Robbenbank und zur Muschelbank. Je nach Gezeitenstand sind auch Überfahrten zu den Nachbarinseln Terschelling und Schiermonnikoog möglich. Sogar ein so genanntes „Waddenhoppen“ ist im Angebot.

Wenn man sich mit der Geschichte der Insel beschäftigen will, kann man verschiedene Museen besuchen.

Möchte man nicht an langen Wanderungen durch die Natur teilnehmen, dafür mag es sicherlich Gründe geben, ist man im Naturmuseum in Nes an der richtigen Stelle. Dort gibt es viele interessante Dinge zu entdecken. Beispielsweise kann man im Bereich „Wald“ Schubladen öffnen und die jeweils ausgestopften Tiere betrachten. Ausführliche Informationen zum jeweiligen Tier und der entsprechende Tierlaut vervollständigt die Information. Des Weiteren gibt es eine Ausstellung über das Leben in der Nordsee. Kinder haben die Möglichkeit, mit einem wohldurchdachten Fragebogen in der Hand das Museum zu erkunden.

Ein historisches Museum in Hollum bietet einen eindrucksvollen Einblick in die früheren Jahre von Hollum. Im Sommer und Herbst wird jeden Dienstag bei genügender Teilnehmerzahl ein Rundgang durch Hollum angeboten.

In der Hauptsaison gibt es ein ganz vielfältiges Programm für die Touristen auf Ameland.

Alle zwei Wochen gibt es eine Braderie in Nes. In Hollum gibt es zur Braderie zusätzlich einen Viehmarkt und eine Nachtbraderie, die erst am Abend beginnt. Braderien sind Straßenfeste. Es gibt an vielen Ständen allerlei Nützliches und Schönes zu kaufen. Kinder bieten auf Wolldecken sitzend ihre aussortierten Schätze an. Am „kleinsten Poffertjesstand“ der Niederlande werden Poffertjes in vielen Variationen angeboten. Im Abstand von nur wenigen Metern gibt es Bratwurst, Waffeln, Chinesische und Indonesische Gerichte, Zuckerwatte, sauren Hering und noch so manches mehr. Also wirklich für jeden Geschmack etwas.

In Ballum gibt es am letzten Donnerstag im Juli den „Ambachtelijke Dag“. Hier wird das Handwerk aus vergangener Zeit dargestellt. Man kann sich unter anderem eine Schafschur anschauen oder auf dem Schulhof der Basisschule „Sjoelen“. Sjoelen ist ein typisches altes Niederländisches Spiel. Eine Fahrt in einem Auto dieser Epoche ist ebenso möglich wie Wäschestampfen oder Korn dreschen.

In Nes findet am ersten Freitag im August das alljährliche „Roggenfest“ statt. Viele Musikgruppen, Jongleure und Gaukler sind im Zentrum von Nes unterwegs.
Am Nachmittag singen einige der Inselchöre in der „Nederlands Hervormde Kerk“ in Nes. Alle Inselchöre haben sich in den vergangenen Jahren zu wirklich hörenswerten Ensembles entwickeln können.

Man hat als Freund der Chormusik aber während des Urlaubs meistens noch öfter die Gelegenheit, ein Konzert des einen oder anderen Chores zu besuchen.

In aller Regel dauert das Roggenfest bis in die so genannten „kleine uurtjes“ (kleine Stunden).

Man kann schon einige Wochen auf der Insel zubringen, ohne sich langweilen zu müssen.
Krönender Abschluss ist meist noch die Demonstration der Seenotrettung der früheren Jahre. Zehn Pferde ziehen ein Kettenfahrzeug, auf dem ein Rettungsboot verankert ist, zum Südweststrand von Hollum. Die Pferde laufen auf einem speziell dafür ausgewiesenen Weg und mindestens 300 Menschen laufen neben- und hinterher, um dieses Schauspiel zu filmen. Am Strand stehen dann mindestens noch mal so viele Menschen, die sich das nicht entgehen lassen wollen. Wenn die Pferde mit dem Boot in der richtigen Position zum Wasser stehen, laufen sie nach dem Startzeichen in Richtung Wasser. Wenn man über die Seenotrettung mehr wissen möchte, kann man sich sehr gut im Abraham Fock Reddingbootmuseum/Hollum umsehen.

Ein Besuch auf dem Leuchtturm darf natürlich auch nicht fehlen. Besonders attraktiv ist ein Leuchtturmbesuch abends ab 22.00 – 23.00 Uhr.

Für Kinder sind diese vielen Sehenswürdigkeiten meist nur teilweise interessant. Dafür sind sie um so lieber am Strand und am oder im Wasser.

Trotz der 30.000 Touristen, die in den Sommermonaten die Insel bevölkern, gibt es keine überfüllten Strände. Jeder findet seinen Platz an der Sonne und hat meist noch den freien Blick auf das Wasser und seine Kinder.

Alle vier Orte haben ausgewiesene Strände, die bewacht sind und so zur Sicherheit der Badegäste beitragen.
Je nach Wetterlage ist die Nordsee im Sommer zwischen 17 und 20 Grad Celsius warm. Ein wenig spürt man hier noch den Einfluss des Golfstroms. Die Außentemperaturen liegen im Durchschnitt zwischen 20 und 23 Grad Celsius. Auf Ameland scheint die Sonne wesentlich häufiger als auf dem Festland. Wenn es z.B. auf dem Festland regnet, scheint auf Ameland meistens noch die Sonne. Meist weht ein frischer Wind. Inselwetter unterscheidet sich von Festlandswetter.

Für Allergiker eignet sich diese Klima hervorragend, ebenso für Bronchitis geplagte Kinder, die durch das Reizklima einmal freier atmen können. Menschen mit Hautproblemen erleben häufig eine Besserung ihrer Beschwerden.

Die Strände sind sehr weitläufig und laden nicht nur zum Sonnenbaden, sondern auch zu langen Spaziergängen am Wasser ein.

Jetzt noch ein Tipp für die Reiter/Innen:
In jedem Dorf gibt es Reitställe. Dort kann man zu zivilen Preisen reiten. Angeboten werden in der Regel Dünen- und Strandritte. Die Kinder, die noch nicht in einer Gruppe mitreiten können, haben die Möglichkeit, auf einem Pony einen geführten Ritt zu machen. Einige Einrichtungen z.B: „Le cheval“ in Ballum bietet extra für jüngere Kinder Kurse mit anschließendem Diplom an. Fast alle Reitställe bieten auch Einzelreitstunden an.

Wenn das Wetter einmal ganz schlecht ist, kann man nach Nes ins Aqua Plaza gehen. Es fällt unter die Kategorie „Spaßbäder“. Jede halbe Stunde gibt es für fünf Minuten Wellen. Außerdem gibt es in diesem Spaßbad eine lange spiralförmige Rutsche.

Für eine gute Information vor Ort bietet sich ein Besuch beim VVV-Ameland entweder in Nes oder in Hollum an. Dort kann man sich über alles, was das Leben und den Urlaub auf der Insel betrifft, informieren.

An dieser Stelle sei auf die Website http://www.ameland.nl verwiesen. Wer ein wenig mit der Niederländischen Sprache vertraut ist, wird dort sehr viel Wissenswertes über die Insel erfahren. Außerdem möchte ich mich bei dem dooyoo Team  http://www.dooyoo.de für diesen Artikel bedanken.

Da ein Urlaub in aller Regel Geld kostet und einem hin und wieder solches ausgeht, gibt es in den Dörfern Nes und Hollum bei den Banken einen 24-Stundenservice. Bei beiden Banken kann man rund um die Uhr Geld „aus der Mauer“ holen.

Ich bin nun selbst seit 1996 jedes Jahr für mindestens 1 – 3 Wochen mit der Ferienfreizeit oder mit meiner Familie auf Ameland, manchmal noch öfter. Die Insel ist fast zu meinem zweiten Zuhause geworden.

Die Einheimischen sind sehr nett und freundlich und wir freuen uns jetzt schon wieder auf satte zwei Wochen Ameland.  Ich kann diese Insel jedem empfehlen, der nur ein wenig naturverbunden ist. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz. Allerdings sollten auch im Sommer ein Anorak, Stiefel und sonstige wetterfeste Kleidung nicht im Gepäck fehlen. Den einzigen Nachteil sehe ich darin, dass die Ferien irgendwann zu Ende gehen und man diese schöne Insel wieder verlassen muss.


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